Dein Produkt herstellen lassen oder selbst produzieren

Die wichtigsten Vor- und Nachteile

von Leo Beese

Dein Produkt herstellen lassen.

Lohnhersteller vs. eigene Produktion.

Hast du eine geniale Produktidee, aber weißt nicht, ob du dein Produkt von einem Lohnhersteller herstellen lassen oder dein eigenes Produkt besser selbst herstellen solltest? Keine Sorge, ich bin hier, um dir bei dieser Entscheidung zu helfen.

In diesem Artikel beleuchte ich die Vor- und Nachteile beider Optionen. Um das Ganze anschaulicher zu machen, lass uns in die Welt von Tim eintauchen. Tim ist ein leidenschaftlicher Unternehmer und Produktentwicklung ist bei ihm Chefsache. Er hat eine neue Produktidee: Glutenfreie Cracker aus Linsenmehl.

Er hat bereits die Rezeptur der Linsencracker entwickelt und erste Tests in seinem heimischen Backofen durchgeführt. Sein Unternehmen stellt zwar viele Produkte selbst her, verfügt jedoch nicht über die Maschinen zum Rühren des Teigs, und zum Backen und Verpacken der Cracker.

Jetzt stellt sich die große Frage: Soll Tim in den Ausbau seiner Produktion investieren oder die Cracker von einem Lohnhersteller Produzieren lassen?

Eigene Produkte herstellen lassen – Die Vor- und Nachteile auf dem Prüfstand

Bevor wir Tims Dilemma lösen, werfen wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile beider Optionen:

Eigenherstellung – Vorteile, die begeistern.

1. Rezepturkontrolle: Mit der eigenen Produktion behält Tim die volle Kontrolle über die Rezeptur seiner glutenfreien Cracker. Das hat einige Vorteile. Zum einen ist es schwieriger für die Konkurrenz, die Rezeptur zu kopieren, und zum anderen kann Tim die Rezeptur und den Herstellungsprozess ganz nach seinen Vorstellungen gestalten. Da gibt es nicht die typischen Probleme mit Lohnherstellern, die für glutenfreie Produkte sehr hohe Abnahmemengen haben oder die nur Mehlsorten verwenden, die sie auf Lager haben.

2. Kosten im Blick: Mit der eigenen Produktion hat Tim auch die Kosten besser im Griff. Er spart den Aufschlag, den ein Herstellerpartner für seine Dienstleistungen verlangt. Denn dieser kalkuliert neben den Rezeptur-, Herstellungs- und Lohnkosten auch einen Gewinn ein. Durch die eigene Produktion kann Tim Kosten einsparen und seine Linsencracker mit einem wettbewerbsfähigeren Preis auf den Markt bringen.

3. Flexibilität ist Trumpf: Ein weiterer Vorteil der eigenen Produktion ist die Flexibilität bei den Produktionsmengen. Bei einem Lohnhersteller gibt es oft feste Mindestproduktionsmengen und jährliche Mindestabnahmemengen, die vertraglich festgelegt sind. Mit der eigenen Produktion kann Tim die Produktionsmenge flexibel an den aktuellen Bedarf anpassen. Ob er weniger oder mehr produziert, je nachdem, wie die Nachfrage schwankt, liegt ganz in seiner Hand.

4. Zeit ist Geld: Du kennst das sicher: Manchmal muss es einfach schnell gehen! Sobald Tims Maschinen aufgebaut sind und sein Personal eingearbeitet ist, kann er schneller fertige Ware herstellen als ein Herstellerpartner. Denn bei einem Lohnhersteller hängt die Bearbeitungsgeschwindigkeit von der Auftragslage ab, und die Lieferung der Ware in Tims Lager kann eine Herausforderung für die Lieferfähigkeit darstellen. Mit der eigenen Produktion kann Tim seine Kunden blitzschnell beliefern, wenn es mal eilt.

5. Keine „Zutatenparty“: Wenn Tim seine eigenen Linsencracker herstellt, kann er sicherstellen, dass keine unerwünschten Allergene in seine Produktion gelangen. Für Allergiker ist das ein großes Plus, denn sie können bedenkenlos seine Cracker genießen.

Eigenproduktion – Herausforderungen, die gemeistert werden wollen

Neben den vielen Vorteilen bringt die eigene Produktion jedoch auch einige Herausforderungen mit sich, die wir nicht außer Acht lassen sollten:

1. Risiko und hoher Aufwand: Besonders zu Beginn, wenn das neue Produkt, wie Tim Linsencracker, am Markt noch ein Fragezeichen ist, ist das Risiko einer eigenen Produktion hoch. Die Kosten und der zeitliche Aufwand, um die Werkshallen umzubauen, Maschinen anzuschaffen und Mitarbeiter einzustellen (bei Backwaren ist ein Bäckermeister in Vollzeit vorgeschrieben) und einzuarbeiten, können immens sein.

2. Zertifizierungen und Anforderungen: Tims Firma ist bereits in der Lebensmittelproduktion tätig und verfügt über die entsprechenden Zertifizierungen. Wenn jemand gerade dabei ist, ein Unternehmen zu gründen oder auf eine eigene Produktion umzustellen, sollte er unbedingt klären, welche Zertifizierungen erforderlich sind.

Denn Zertifizierungen wie IFS oder HACCP bedeuten zusätzlichen Aufwand und Kosten. Ebenso stellt die Herstellung von glutenfreien Produkten besondere Anforderungen an das Unternehmen.

3. Anschaffungskosten der Maschinen: Die Anschaffungskosten für Maschinen können erheblich sein und müssen in die Stückkosten der Produkte einberechnet werden. Bei geringen Produktionsmengen können diese Kosten die Stückkosten in die Höhe treiben. Das kann entweder zu einem geringeren Gewinn führen oder dazu, dass Tims Cracker aufgrund ihres höheren Endkundenpreises nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Oder doch besser das Produkt produzieren lassen? Die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller

Nachdem wir die Vor- und Nachteile der Eigenproduktion beleuchtet haben, wollen wir uns nun der Alternative widmen: der Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller. Schauen wir uns die Vorteile an, die diese Option mit sich bringt:

Die 4 größten Vorteile, wenn du deine eigenen Produkte herstellen lässt.

1. Weniger Aufwand und Know-how des Herstellerpartners: Wenn Tim sich für einen Lohnhersteller entscheidet, spart er sich den Aufwand für den Ausbau seiner Produktion und das Einstellen von neuem Personal, wie beispielsweise eines Bäckers. Das erspart ihm Geld, Zeit und Nerven.

Außerdem profitiert er vom umfangreichen Know-how des Herstellerpartners, der in diesem Fall vermutlich eine Bäckerei mit jahrzehntelanger Erfahrung im Backen ist. Ein Blick auf Tims Rezeptur oder ein Biss in einen von Tims selbstgebackenen Linsencrackern kann wertvolle Erkenntnisse für die weitere Perfektionierung der Rezeptur liefern.

2. Bessere Kostenkontrolle: Die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller ermöglicht eine bessere Kostenkontrolle, da von Anfang an ein fester Preis pro Packung vereinbart wird. Tim weiß also bereits vor dem Start der Produktion, ob sich sein Produkt rechnet oder ob er das Projekt vielleicht gleich wieder einstellen sollte. Mehr zum Thema Verkaufspreis erfährst du hier.

3. Einkaufsvorteile: Besonders wenn Tim Rohstoffe verwendet, die der Lohnhersteller sowieso in großen Mengen einkauft, kann er von den günstigeren Einkaufspreisen des Herstellers profitieren. Selbst wenn der Hersteller im Jahr nur 40 Tonnen Mehl für die Produktion von Tims Crackern benötigt, bestellt der Lohnhersteller jährlich mehrere tausend Tonnen des Rohstoffs für all seine Kunden zusammen. Dies ermöglicht günstigere Preise und eine bessere Wettbewerbsfähigkeit für Tim.

4. Spezialisierung: Lohnhersteller haben sich oft bereits tief mit speziellen Anforderungen wie einer glutenfreien oder Bio-zertifizierten Produktion auseinandergesetzt. Da die Produkte später bereits fertig verpackt geliefert werden, spart das viel Aufwand im eigenen Unternehmen.

8 Nachteile, die du kennen solltest, wenn du dein eigenes Produkt produzieren lässt.

Natürlich hat auch die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller ihre Schattenseiten. Lasst uns einen Blick darauf werfen:

1. Hohe Mindestbestellmengen: Die Mindestbestellmengen bei Lohnherstellern können viele Projekte unmöglich machen. Besonders für neue Produkte, bei denen noch unsicher ist, wie erfolgreich sie im Handel sein werden, kann eine hohe Mindestbestellmenge zum Problem werden.

2. Weniger Einfluss auf die Rezeptur: Bei der Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller hat Tim weniger Mitspracherecht bei der Rezeptur seines Produkts. Der Hersteller passt die Rezeptur oft an seine Maschinen an, um reibungslose Abläufe in der Produktion zu gewährleisten. Dies kann jedoch dazu führen, dass es schwierig wird, einen Hersteller für glutenfreie Linsencracker zu finden, da nicht alle Bäckereien gerne mit glutenfreiem Mehl an ihren Maschinen arbeiten möchten.

3. Schutz der Rezeptur: Wenn du mit einem Lohnhersteller zusammenarbeitest, besteht das Risiko, dass dieser Ansprüche auf die Rezeptur erhebt und behauptet, das geistige Eigentum daran zu besitzen. Dies kann auch dann der Fall sein, wenn der Lohnhersteller lediglich Hilfsstoffe zur Verarbeitung hinzufügt. Um sicherzustellen, dass du die Kontrolle über deine Rezeptur behältst, ist es wichtig, klare Vereinbarungen über das Eigentum zu treffen und gegebenenfalls Geheimhaltungsvereinbarungen abzuschließen.

4. Schutz des Know-Hows: Die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller birgt das Risiko, wertvolles Know-How preiszugeben, das von der Konkurrenz genutzt werden könnte. Um dein Know-How zu schützen, können Vertraulichkeitsvereinbarungen und die selektive Weitergabe von Informationen helfen.

Der Einsatz von Patenten, Marken oder Urheberrechten kann zusätzliche Sicherheit für das geistige Eigentum bieten, um deine einzigartigen Merkmale zu schützen. Es ist wichtig, angemessene Vorkehrungen zu treffen, um dein wertvolles Wissen zu sichern und die Kontrolle darüber zu behalten.

5. Kosten auf lange Sicht: Insbesondere, wenn ein Produkt gut läuft und schon länger am Markt ist, kann die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller teurer sein als die eigene Produktion. Dies liegt hauptsächlich daran, dass der Hersteller auch einen Gewinn mit den Linsencrackern erzielen möchte.

6. Schwierigkeiten im Wettbewerb: Die Marge, die der Lohnhersteller verlangt, kann es für Tim schwierig machen, in einem engen Wettbewerbsumfeld, in dem die Preise für Endkunden günstig sind, wettbewerbsfähig zu sein. Insbesondere im deutschen Discount-Segment kann dies für seine Produkte eine große Herausforderung darstellen.

7. Laufende Kosten: Bei der eigenen Herstellung trägst du laufende Kosten wie die Bezahlung von Mitarbeitern, Leasing für Maschinen, Miete usw., unabhängig davon, wie gut das Produkt läuft. Im Gegensatz dazu erfordert die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller oft eine größere Kapitalinvestition auf einen Schlag, da du seine Dienstleistungen vorab bezahlen musst, bevor du Einnahmen aus dem Verkauf deines Produkts generiert hast.

8. Begrenzte Verpackungsoptionen: Ein weiterer Aspekt betrifft die Verpackungen. In der Regel musst du als Kunde die Verpackungen nutzen, die der Lohnhersteller bereits auf seinen Maschinen verwendet. Dies könnte bedeuten, dass du weniger Flexibilität bei der Wahl von Verpackungsmaterialien und -designs hast, was möglicherweise nicht deinem ursprünglichen Konzept entspricht. Es ist wichtig, dies bei der Entscheidung für einen Lohnhersteller zu berücksichtigen und die Verpackungsoptionen im Voraus zu klären.

Die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller: Tipps und Tricks

Wenn Tim sich für die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller entscheidet, sind hier einige wichtige Schritte zu beachten:

1. Preisgestaltung: Setze einen maximalen Preis für das fertige Produkt fest, um sicherzustellen, dass du später einen wettbewerbsfähigen Kundenpreis erzielen kannst. Kalkuliere deine Kosten im Voraus und involviere den Einkauf frühzeitig in den Prozess.

2. Herstellerbriefing: Erstelle ein detailliertes Briefing für den Lohnhersteller, indem du alle Anforderungen an das Produkt festhältst.

3. Suche nach möglichen Herstellern: Suche sorgfältig nach dem passenden Hersteller, indem du auch außerhalb deines Landes nach geeigneten Optionen suchst. Vergleiche mindestens drei Anbieter, um die beste Qualität und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden. Eine gute Anlaufstelle sind Messen oder Webseiten wie „Wer liefert Was?„.

4. Verkostungen: Lass dein Produkt professionell bewerten und mit Konkurrenzprodukten vergleichen. Hole unabhängige Meinungen ein und teste es in verschiedenen Verkostungen, um ein realistisches Bild von der Qualität zu erhalten.

5. Verpackung: Informiere dich über die vom Hersteller verwendeten Verpackungsarten. Nutze, wenn möglich, die vorhandenen Verpackungsmöglichkeiten des Herstellers, um zusätzliche Kosten zu vermeiden.

6. Leistungen und Preise: Kläre im Detail, welche Leistungen du vom Hersteller benötigst, wie zum Beispiel nur das Mischen der Rezepturen oder eine Komplettbetreuung mit Einkauf der Rohstoffe, Produktion und Versand. Halte alle Vereinbarungen schriftlich fest, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden. Achte darauf, dass der Preis transparent ist und keine versteckten Kosten entstehen.

7. Verträge: Eine Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller sollte immer schriftlich vereinbart werden. Ein Vertrag bietet beiden Seiten rechtliche Sicherheit und klärt alle wichtigen Punkte wie Preise, Verschwiegenheit, Mindestmengen, Laufzeiten und Kündigungsfristen. Hol dir im Zweifelsfall juristischen Rat, um sicherzugehen, dass alle rechtlichen Aspekte abgedeckt sind.

Tims Entscheidung

Nach reiflicher Überlegung hat sich Tim für die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Lohnhersteller entschieden. Er hat einen Partner gefunden, der seine glutenfreien Cracker aus Linsenmehl nach seinen Vorstellungen herstellt und dabei qualitativ hochwertige Rohstoffe verwendet. Mit dieser Entscheidung kann Tim seine Produktidee schnell auf den Markt bringen und den Fokus auf das Marketing, den Vertrieb und die Weiterentwicklung seiner Marke legen.

Fazit:

Die Wahl zwischen Eigenproduktion und Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller ist keine einfache Entscheidung. Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile, die sorgfältig abgewogen werden sollten.

Die Eigenproduktion bietet dir die volle Kontrolle über die Rezeptur, Kostenersparnisse, Flexibilität bei Produktionsmengen, schnellere Lieferzeiten und die Sicherheit, dass keine unerwünschten Allergene in die Produktion gelangen. Allerdings sind hierbei auch Risiken wie hohe Anfangsinvestitionen, zusätzlicher Aufwand für Zertifizierungen und Anforderungen sowie potenziell höhere Anschaffungskosten für Maschinen zu bedenken.

Die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller ermöglicht dir einen geringeren Aufwand und die Nutzung des Know-Hows des Herstellerpartners. Dadurch lassen sich verbesserte Kostenkontrollen und Einkaufsvorteile erzielen, insbesondere bei speziellen Anforderungen wie glutenfreien oder biologischen Produkten. Allerdings können hohe Mindestbestellmengen, weniger Einfluss auf die Rezeptur, das Abgeben des Know-How und langfristig höhere Kosten Herausforderungen darstellen.

Egal, ob du dich für die Eigenproduktion oder die Zusammenarbeit mit einem Lohnhersteller entscheidest, es gibt für jeden Weg Vor- und Nachteile. Das wichtigste ist, dass du deine Möglichkeiten gründlich abwägst, deine Ziele im Auge behältst und letztendlich die beste Entscheidung für dich und dein Produkt triffst.

2 Kommentare

  1. Wir möchten einen Online Shop machen und wir wollen dort Blender verkaufen aber für uns ist wichtig Qualität und das sie mit unserem Namen Brandiert sind

    Antworten
    • Vielen Dank für euren Kommentar. Ich teile eure Priorität für Qualität und ein individuelles Branding voll und ganz. Beim Aufbau einer Starken Marke die Vertrauen ausstrahlt ist es sehr wichtig, dass eure Kundenr erstklassige Produkte erhalten. Ich wünsche euch viel Erfolg!

      Antworten

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